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2003 - 2017
2011 Spendenprojekt
 



Angesichts der dramatischen Folgen der Naturkatastrophe vom 11.03.2011 hatte unser Verein  ein Spendenkonto eingerichtet:     


DJV Yawara Lippstadt e.V.
IBAN: DE52416500010014036172
BIC:  WELADED1LIP
Sparkasse Lippstadt


Für die inzwischen eingegangenen Beträge und das damit unserem Verein entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns vielmals bei allen Spendern. Unser herzlicher Dank gilt ebenso dem Engagement der zahlreichen Vereinigungen und Schulen, die unsere Hilfsaktion aktiv unterstützen.

Am 22.04.2011 konnten wir mit dem ersten Projekt beginnen und die sechsköpfige Familie Tsuda aus der Stadt Nasu mit Mitteln aus unserem Spendenaufruf unterstützen.

Seit dem 17.05.2011 engagiert sich unser Verein im nordost-japanischen Kesennuma für den Wiederaufbau des privaten Kindergartens „Ashinome“.


Die beiden Hilfsaktionen, die von unserem Verein langfristig begleitet werden, möchten wir Ihnen hier nun etwas näher vorstellen:



„Wir saßen gerade in der Küche als die Erschütterungen anfingen. Alles begann plötzlich zu wackeln. Es war so stark, dass wir nicht einmal aufstehen konnten und den Tisch festhielten. Regale fielen um. Die Fensterscheiben zersprangen mit lauten Geräuschen. Teller, Tassen und Schüsseln, alles aus den Geschirrschränken flog durch die Luft und zerbrach auf dem Boden in Stücke“, schildert Frau Tsuda die Minuten, während des schweren Erdbebens vom 11. März. Sie selbst, ihr Mann und ihre Schwiegermutter konnten sich ins Freie retten und blieben, ebenso wie ihre drei Kinder, die zu dieser Zeit noch in der Schule waren, unverletzt. Doch ihr Haus, in dem sie zudem mit einem kleinen Geschäft ihren Lebensunterhalt verdienten, ist seither unbewohnbar. „Innen im Haus sind viele Wände eingestürzt und überall sind Risse“.


Durch einen persönlichen Kontakt vor Ort sind wir nicht nur auf das Schicksal der Familie Tsuda aufmerksam geworden, sondern können auch gewährleisten, dass die Hilfe wirklich und in voller Höhe bei den Menschen ankommt.

Familie Tsuda aus Nasu ist zutiefst dankbar für die Hilfsbereitschaft und Anteilnahme der Lippstädter Bürger, Schulen und Vereinigungen. Im Juli 2011 erreichte uns hierzu auch ein Dankschreiben von Frau Tsuda: "Ich danke Ihnen allen vielmals für die Spenden, die Sie uns geschickt haben. Es ist nun vier Monate her seit dem Beben und unser Alltag beginnt in-zwischen sich zu beruhigen. Es war uns möglich in eine Wohnung der Gemeinde umzuziehen und mein Mann und ich haben beide neue Arbeitsstellen gefunden. Ein großer Betrag an Geldspenden aus einem weit entfernten Land, viele helfende Hände von Nachbarn und Freunden ... – wir sind sehr berührt von diesen wunderbaren Beziehungen zu diesen guten, warmherzigen Menschen. Wir werden uns immer an dieses Gefühl erinnern und geben unser Bestes damit unser neues Leben weiterhin positiv verläuft. Nochmals herzlichen Dank."





Die Region um Kesennuma zählt zu den am schwersten durch Erdbeben und Tsunami vom 11.03.2011 betroffenen Gebieten Japans. Am Tag der Naturkatastrophe wurde der gesamte Gebäudekomplex des "Ashinome"-Kindergartens innerhalb weniger Minuten überflutet und dabei vollständig zerstört.


In einem Dankschreiben an uns beschreibt Frau Ishikawa die Situation nach dem 11.03. 2011 wie folgt: „Zur Zeit des Unglücks bereiteten sich die Kinder darauf vor mit unseren Bussen nach Hause gebracht zu werden. Drei Busse waren schon gefahren. Um 14:26 Uhr spürten wir das starke Beben. Die Kinder liefen ins Freie auf den Spielplatz und warteten bis die Erschütterungen aufhörten. Wir wussten sofort, dass ein Tsunami kommen könnte und gingen zu einem höher gelegenen Gebiet. Um 15:30 Uhr hörten wir die Geräusche der Tsunami. Eine hohe Welle aus Wasser und Trümmern überschwemmte die Ebene. Sie zerstörte unseren Kindergarten vollständig. Die Busse, die schon vorher losgefahren waren, konnten sich ebenfalls in Sicherheit bringen. Doch später erfuhren wir, dass ein Kind, das bereits zu Hause angekommen war im Tsunami ertrank. Einige unserer Kinder haben ihre Eltern und andere Angehörige verloren. Von manchen Kindern ist das Zuhause zerstört und sie leben in Notunterkünften. Auch von unseren Mitarbeitern wurden Häuser und Wohnungen beschädigt. Wir haben das Glück, dass die Eltern uns sehr unterstützen. Für die Eltern und die Kinder möchten wir unser Bestes geben, damit wir unseren Kindergarten so schnell wie möglich wieder eröffnen können. Ich möchte Ihnen für Ihre großzügige Spende meine aufrichtige Dankbarkeit ausdrücken. Ich danke Ihnen allen für Ihre freundliche Anteilnahme und Ihre herzliche Unterstützung.“






Kurz nach dem ersten Jahrestag des schweren Erdbebens und des folgenden Tsunamis hat unser Vereinsvorsitzender die Region Tohoku besucht und sich dabei über die aktuelle Situation vor Ort informiert.



Während eines Besuches im Ashinome-Kindergarten am 09.04.12 durfte unser Vorsitzender, den ersten Kindergartentag von 40 Mädchen und Jungen miterleben. Die Direktorin, Frau Ishikawa, hieß die 3-4 Jährigen, deren Eltern und Ehrengäste bei der Eröffnungsfeier in der inzwischen wieder errichteten Einrichtung herzlich willkommen.


Neben einem selbstgebastelten Geschenk durfte Stefan Großkreuz vor allem den ausdrücklichen Dank für die Spenden aus Lippstadt entgegennehmen, den wir hiermit gerne an alle weiterleiten möchten, die unsere Hilfsaktion unterstützt haben.






In der Stadt Nasu traf Stefan Großkreuz einen Tag zuvor die Familie Tsuda. Für die Großmutter, Eltern und drei Kinder hat sich das Leben seit dem 11.03.2011 völlig verändert.


Sie wohnen derzeit in einem Apartment, das ihnen die Gemeinde zur Verfügung stellt. Die drei Erwachsenen Familienmitglieder haben eine Beschäftigung in einem Pflegeheim gefunden. Für einen Neubau ihres Wohn- und Geschäftshauses fehlen der 6-köpfigen Familie jedoch die notwendigen finanziellen Mittel. „Es ist schlichtweg beeindruckend mit welcher positiven Lebenskraft die Familie Tsuda ihr Schicksal trotzdem meistern und wie herzlich und anrührend ihre Dankbarkeit für unsere Hilfe und Anteilnahme aus Lippstadt ist“, schildert unser Vorsitzender.







Auch zweieinhalb Jahre nach der schweren Naturkatastrophe kann in der betroffenen Region von Normalität nicht die Rede sein. Dies musste unser Vorsitzender, Stefan Großkreuz, bei einem erneuten Besuch am 04.08.2013 feststellen.  



Nach wie vor sind ganze Stadtviertel Kesennumas vollständig zerstört. Als direkte Folge des Tohoku-Bebens liegen nun zudem weite Teile des Ortes um 90-100cm niedriger als vor dem 11.03.2011 und stehen bei Flut teilweise immer wieder unter Wasser. Vor einem Wiederaufbau soll dort das gesamte Erdreich um bis zu 5m hoch aufgeschüttet werden. Die Eisenbahnstrecke zur Nachbarstadt Ofunato ist weiterhin unterbrochen. Nur Busse ersetzen die Verbindung.


Doch es sind auch erfreuliche Fortschritte erkennbar. Der Ashinome-Kindergarten konnte durch die Unterstützung von UNICEF ein weiteres Gebäude für die Betreuung von Unterdreijährigen fertig stellen.


Zu drei Seiten wird die neue Einrichtung von einem Bambus-Hain umgeben und trägt daher den Namen  "こどものもり" – Waldkinder.





In der Stadt Nasu gab es am 05.08.2013 ein Wiedersehen mit der Familie Tsuda.


Frau und Herr Tsuda bedanken sich von ganzem Herzen für die Spenden bei allen Menschen aus Lippstadt und berichten von ihrem Alltag und ihren Kindern Tomomi, Manami und Ikumi. Dadurch, dass die Eltern und die Großmutter schnell eine neue Tätigkeit in einem Pflegeheim gefunden haben, hat sich ihre Lebenslage wenigstens einigermaßen stabilisiert. Sofern dies unter den gegebenen Umständen möglich ist - am 11.03.2011 haben sie innerhalb von wenigen Augenblicken annähernd alles verloren. Auch an der provisorischen Wohnsituation  der Familie hat sich seit dem letzten Treffen noch nichts geändert.





Gute Nachrichten erreichen uns, verbunden mit Neujahrsgrüßen, Anfang 2015. Die Familie Tsuda schreibt, dass es Ihnen gut geht und Sie bereits Mitte des Vorjahres in eine neue Wohnung in den Bergen Nasus umziehen konnte.







Für Frau und Herrn Tsuda wird der 11.03.2011 sicherlich ein unvergesslicher Teil ihrer Vergangenheit bleiben. Doch es ist deutlich zu spüren, dass sie ihr Leben nicht auf diesen einen Schicksalstag reduzieren lassen wollen. Nach vielen Entbehrungen hat sich die Familie in die Gegenwart zurückgearbeitet. Auch ihre drei Kinder gehen ihren Weg in Schule, Ausbildung und Beruf. So sitzen am 09.04.2017 letztlich gute Freunde aus Nasu und Lippstadt bei Kaffee und Kuchen beieinander und plaudern über dies und über das …..







Für die Mädchen und Jungen des Ashinome-Kindergartens in Kesennuma war der Besuch unseres Vorsitzenden und unserer Geschäftsführerin am 13.04.2017 sicherlich ein aufregendes und gleichermaßen erfreuliches Ereignis, auch wenn ihnen der Hintergrund vermutlich unklar war. Schließlich waren sie zum Zeitpunkt der Naturkatastrophe noch nicht einmal geboren. Die Stadt ist jedoch nach wie vor schwer von den Folgen des Erdbebens und des Tsunami gezeichnet. Die Kinder kennen ihre Stadt daher nicht anders, als mit unzähligen Baustellen, Planierraupen, Kränen und Betonmischern.


Um die Region zukünftig besser gegen Tsunamis schützen zu können, wurde mit dem Bau eines Betonwalls begonnen. Geplant ist diese Mauer entlang der Küste Nordost-Japans auf einer Länge von mehreren hundert Kilometern zu errichten.


Ein weiteres Bauvorhaben ist inzwischen abgeschlossen. Das völlig zerstörte Gleisbett der Eisenbahnlinie zwischen Kesennuma und der Nachbarstadt Ofunato wurde asphaltiert. So entstand eine Trasse auf der nun ausschließlich Busse zwischen den beiden Orten nach dem ehemaligen Zugfahrplan pendeln.









Der DJV wird auch zukünftig Kontakt zu dem Ashinome Kindergarten und der Familie Tsuda halten und helfen. Spenden werden weiterhin selbstverständlich weitergeleitet. Weitere Informationen und Neuigkeiten aus Kesennuma und Nasu werden an dieser Stelle veröffentlicht.

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